
Das Projekt „Balia mit Halsband“
Die Halsband-Waldschwalbe kommt in der Schweiz ausschließlich im Tessin und in Graubünden vor, wo sie die westliche Grenze ihres Verbreitungsgebiets erreicht. Mitte der 1990er Jahre wurde der Bestand auf 20 bis 25 Paare geschätzt, die hauptsächlich in Kastanienwäldern in Höhenlagen zwischen 500 und 1000 m ü. M. nisteten. Derzeit scheint die Art im Tessin und auch in Norditalien stark rückläufig zu sein. Im Jahr 2004 bestätigte eine von Ficedula durchgeführte Pilotstudie zur Aktualisierung des Verbreitungsgebiets den weiteren Rückgang der Art auf kantonalem Gebiet. Einige Paare haben sich in einem neuen Lebensraumtyp, dem feuchten Auwald, angesiedelt.
Die Ursachen für den Rückgang der Art sind bislang unbekannt. Neben großräumigen Populationsdynamiken scheinen der Mangel an alten, höhlenreichen Bäumen, die als Nistplätze geeignet sind, sowie die Verschlechterung des Kastanienwaldes möglicherweise die größten Bedrohungen darzustellen. Allerdings sind derzeit keine Maßnahmen zur Bewirtschaftung des Kastanienwaldes und der Wälder im Allgemeinen bekannt, die der Halsband-Baumläuferart zugutekommen könnten. Der Schutz des Kastanienwaldes, beginnend mit den Gebieten, in denen die Halsband-Baumläuferart vorkommt, ist daher die erste unverzichtbare Maßnahme zu ihrer Erhaltung.
Aufgrund des deutlichen Rückgangs dieser Art hat der Verein „Ficedula“ beschlossen, deren Bestand zu fördern, indem er die Verfügbarkeit geeigneter Nistplätze durch das Anbringen von Nistkästen erhöht.
Im Tessin wurden daher seit 2004 etwa 400 Nistkästen aufgestellt, davon etwa vierzig im Val d’Ambra und die übrigen in den historischen Brutgebieten der Art, vor allem in den Kastanienwäldern des Malcantone.
In den letzten Jahren wurden dank des Engagements zahlreicher Freiwilliger rund 250 Nistkästen an 17 Standorten im Tessin und im Moesano angebracht bzw. instand gesetzt. An den mit Nistkästen ausgestatteten Standorten oder in deren unmittelbarer Umgebung wurden 73 Brutfälle erfasst.
Darüber hinaus wurden weitere 21 Gebiete auf der Suche nach dieser Art abgesucht, wobei sieben weitere Reviere entdeckt wurden.
Im Jahr 2023 hat einer unserer Studierenden an der Universität Basel seine Bachelorarbeit genau zu dieser Art verfasst. Dabei wurden die Fortpflanzungsbiologie und die ökologischen Anforderungen eingehend untersucht, um den Artenschutz zu verbessern.
Im Jahr 2024 wurden die Sanierung und Aufwertung des Waldes rund um das Kloster und Heiligtum Santa Maria Bigorio durchgeführt. An dem vom Verein „Amici del Bigorio“ geförderten Projekt war Ficedula als Berater für die Wiederherstellung des Kastanienwaldes beteiligt.
An diesem Standort wurde nämlich erstmals das Vorkommen der Halsband-Laubsängerin im Tessin vor den 1950er Jahren dokumentiert.
Die Maßnahme ermöglichte es unter anderem, die Pflanzen an den Stellen zu erhalten, an denen der Halsbandlaubsänger in der Vergangenheit genistet hatte, das Unterholz zu lichten und weitere Nistkästen für diese Art anzubringen. Ficedula wird die Besiedlung des Waldes durch unsere Symbolart weiterverfolgen.
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