Der Gipeto Herculis (BG0849)

Nach Jahren der Ungewissheit ist es nun endlich gelungen, etwas Licht in die Herkunft des ersten im Kanton Tessin nistenden Bartgeierpaares zu bringen.

Mitte Dezember 2025 gelang es bei der Beobachtung aus großer Entfernung mit einem Fernrohr, einen Teil eines Rings zu erkennen, der am Bein des Männchens, dem Vater von Lepontino I und Lepontino II, angebracht war.

Mit Hilfe von Franziska Lörcher von der Stiftung Gipeto, der Forscherin, die den jungen Bartgeier zum Zeitpunkt seiner Freilassung markiert hatte, konnte das Tier mit dem Namen Herculis (BG0849) identifiziert werden. Dieser wurde am 9. März 2015 im Tierpark Berlin (D) geboren, wuchs jedoch anschließend bei dem im Zoo von Ostrava (CZ) untergebrachten Paar auf. Er wurde am 6. Juni 2015 im Parco delle Alpi Marittime (Cuneo) im Rahmen des vor nunmehr 40 Jahren gestarteten Wiederansiedlungsprojekts in die freie Natur entlassen. Der eigentliche Ausflug erfolgte am 1. Juli. Vor der Freilassung wurde Herculis mit einem Satellitensender ausgestattet, ebenso wie ein zweites Tier, Roman (BG854), das ebenfalls an derselben Stelle freigelassen wurde. Herculis verlor seinen Satellitensender im Jahr 2016! Die Geschichte geht weiter … im Tessin.

Das Paar aus dem Tessin

Seit Herbst 2020, als sich das Paar – bestehend aus einem erwachsenen Weibchen (mindestens sieben Jahre alt) und einem Männchen mit noch nicht vollständig ausgebildetem Erwachsenengefieder, also etwa sechs Jahre alt (geboren 2015), war es stets wichtig, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Die beiden Tiere wurden diskret und mit grossem Engagement bei ihren Bewegungen in der von ihnen gewählten Region beobachtet. Dies liegt daran, dass sich der Kanton Tessin, seit die Art (dank des Wiederansiedlungsprojekts) wieder in den Alpen brütet, stets in einem geografischen Gebiet befand, das ziemlich weit von den beiden Hauptbrutgebieten entfernt ist (im Westen «das Kerngebiet» Wallis/ Aosta und Hochsavoyen, im Osten das Gebiet Graubünden und Stilfser Joch).

Dieses erste Ergebnis (unter Berücksichtigung der Standorttreue der Art) erwies sich als überraschender, als wir erwartet hatten. Das Männchen des ersten im Kanton Tessin nistenden Bartgeierpaares entpuppte sich als „Herculis“, ein Individuum, das nicht aus einem der beiden zuvor genannten „Hauptbestände“ stammt, sondern aus einer noch größeren Entfernung.

Eine außergewöhnliche Geschichte, von der wir Ihnen weiterhin berichten werden…

Video von der Freilassung von Herculis in den Seealpen – 6. Juni 2015 https://youtu.be/Zq23QZphNNw?si=Av7wqDGP4uzCsnJt