
Projekt „Civetta“
Ficedula befasst sich seit den 1980er Jahren mit der Erforschung und dem Schutz der Steinkauz. Anders als nördlich der Alpen nistet diese Art hier ausschließlich in Hohlräumen alter Bauernhäuser und nicht in Baumhöhlen. Die Projektverantwortlichen untersuchen die Ernährung, die Jagdgebiete und die Art der besiedelten Hohlräume, um den Schutz dieses kleinen Nachtraubvogels verbessern zu können.
Im Jahr 2005 war die Waldohreule im Tessin praktisch verschwunden. Tatsächlich gab es nur noch vier Paare, die auf den Magadino-Ebenen lebten. Wir mussten unbedingt etwas unternehmen, um diese Art zu retten! Im Jahr 2008 starteten Ficedula und BirdLife Schweiz ein umfangreiches Artenschutzprojekt. Seit Beginn des Projekts ist der Bestand der Steinkauz-Population auf 9 Brutpaare im Jahr 2010, auf 17 im Jahr 2013 und schließlich im Jahr 2019 auf 18 Paare angestiegen. Dieser Anstieg ist zweifellos das Ergebnis der zugunsten dieser Art ergriffenen Maßnahmen und insbesondere der Tatsache, dass nach vielen Jahren endlich Nistkästen untersucht und angebracht wurden, die für die Tessiner Steinkäuze geeignet sind. Diese Nistkästen unterscheiden sich von denen, die in anderen Regionen der Schweiz und Mitteleuropas verwendet werden und von den Tessiner Eulen bisher nie genutzt wurden.
Der neue Nistkasten-Typ wurde erstmals im Jahr 2010 getestet und sofort angenommen. Im Jahr 2012 wurde erstmals eine Rekordzahl an voll ausgebildeten Jungvögeln (36) verzeichnet, und im Jahr 2019 wurde der Rekord bei den Brutpaaren (18!) erreicht. Seit 2013 nistet die Steinkauz zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder außerhalb des Magadino-Plans; dieses Ereignis hat sehr wichtige Auswirkungen auf die Zukunft der Art.
Im Jahr 2025 haben mindestens 20 Paare im Tessin genistet.
In den vergangenen Jahren ermöglichte das Projekt zudem die Erhaltung von zwei von der Eule genutzten Scheunen, den Schutz von fünf halbnatürlichen Nistplätzen sowie die Aufstellung von hundert Pfählen, um der Eule die Beutejagd zu erleichtern. Weitere wichtige Maßnahmen umfassen die Anpflanzung von Hochwuchsbäumen sowie die Sensibilisierung der Landwirte für den Schutz dieser Art und allgemein der Vogelwelt in traditionellen Agrarlandschaften.
Parallel dazu wurde die Ökologie der Art durch die Untersuchung des Aktionsraums zweier Paare und die Analyse von Kotproben vertieft, um ein wirksames Schutzkonzept zur Erhaltung und Vergrößerung des Steinkauzbestands zu entwickeln. Zu diesem Zweck kamen Fotofallen, GPS-Geräte und in jüngerer Zeit auch Webcams zum Einsatz.
Im Jahr 2025 haben Ficedula und BirdLife Schweiz im Auftrag des Amtes für Natur und Landschaft, Departement für Raumplanung, Bellinzona, den Aktionsplan für die Steinkauz im Tessin erstellt. Das Tessin ist der erste Kanton, der über ein solches Dokument zum Schutz dieser Art verfügt.
Weitere Informationen:
Lardelli, R. 2009. Die Steinkauz ( Athene noctua ) im Tessin: Aktuelle Situation und Perspektiven für den Artenschutz. Ficedula 42: 24–30.
Lardelli, R. und Scandolara, C. 2014. Artenschutz von Wiedehopf (Upupa epops), Steinkauz ( Athene noctua ) und Ziegenmelker ( Caprimulgus europaeus ) im Tessin: Zusammenfassung der Ergebnisse 2010–2013. Ficedula Nr. 48: 19–26.
Meisser C., Brahier A., Lardelli R., Schudel H. und Kestenholz M. 2016. Aktionsplan Steinkauz Schweiz. Programm zum Schutz der Vögel in der Schweiz. Bundesamt für Umwelt BAFU, Schweizerische Vogelwarte, BirdLife Schweiz; Bern. Umweltpraxis Nr. 1638: 67 S.
www.birdlife.ch/ticino
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