Gemeinsame Pressemitteilung von WWF, Pro Natura und Ficedula/BirdLife vom 14. Januar 2020
NEIN zu Jets auf dem Magadino-Plateau
Da sie zu laut und äußerst gefährlich sind, fordern die Verbände ein Verbot.
Der WWF der italienischen Schweiz, Pro Natura Tessin, Ficedula und die jeweiligen nationalen Organisationen haben Einspruch gegen das Projekt zur Anpassung der Infrastruktur des Flugplatzes Locarno-Magadino eingelegt. Die Verbände beanstanden zahlreiche Aspekte, doch an erster Stelle stehen die Auswirkungen des Jetverkehrs. Obwohl sie nur 1 % der potenziellen Flüge ausmachen, sind sie mit dem Schutz der „Bolle di Magadino“ völlig unvereinbar, für eine Region mit Wohn- und Tourismuscharakter zu laut und aufgrund des hohen Risikos von Vogelschlag (dem Ansaugen eines oder mehrerer Vögel in das Triebwerk) sehr gefährlich. Aus diesen Gründen fordern die Verbände ein absolutes Verbot, während die veröffentlichte Verordnung sogar eine bis zu zehnfache Steigerung der derzeitigen Flugzahlen zulassen würde!
Was die verbleibenden 99 % der Flugbewegungen betrifft, so sind die Verbände der Ansicht, dass die vom Bundesrat geforderten Maßnahmen zur Verringerung der Umweltauswirkungen nicht umgesetzt wurden, der Umweltverträglichkeitsbericht lückenhaft ist und die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Eindämmung der Auswirkungen auf die „Bolle“ und die ansässige Bevölkerung unzureichend sind. Die Betriebsordnung könnte jedoch auf der Grundlage einer fundierten Umweltverträglichkeitsprüfung geändert werden, wodurch es möglich würde, fast alle Aktivitäten des Flughafens mit den Erfordernissen des Natur- und Umweltschutzes in Einklang zu bringen.
Der zentrale Punkt: Das Verbot von Privatjets
Obwohl zwei unabhängig voneinander von zwei führenden Experten auf diesem Gebiet durchgeführte Gutachten zum Thema Vogelschlag zu denselben Schlussfolgerungen gelangen – wonach der Flugplatz Magadino aufgrund seiner Nähe zum Naturschutzgebiet „Le Bolle“ einem hohen Risiko ausgesetzt ist – beharrt die Flugplatzleitung darauf, unzuverlässige Daten zu Vogel-Flugzeug-Kollisionen in Magadino vorzulegen und das Risiko dabei in unverantwortlicher Weise herunterzuspielen. Erst ab 2016, nach der Veröffentlichung der Gutachten, wurden dann Maßnahmen zur Abschreckung der Vogelwelt ergriffen, wie das Abfeuern von Knallkörpern und die aktive Vertreibung der Vögel. Zu den eklatantesten Fällen gehörte im August 2018 der eines Storchenschwarms (der größte, der jemals in der Schweiz beobachtet wurde), der gewaltsam vertrieben wurde, obwohl er das Recht hatte, sich innerhalb des Naturschutzgebiets aufzuhalten. Diese Maßnahmen sind rechtswidrig und haben die Auswirkungen des Flugplatzbetriebs auf die Vogelwelt eindeutig verschlimmert, was in klarem Widerspruch zu den Forderungen des Bundesrats steht. Die Flugplatzleitung ist weiterhin bestrebt, die Auswirkungen des Flugbetriebs auf die Umwelt herunterzuspielen. Vielmehr eröffnet das vorgeschlagene Betriebsreglement die Möglichkeit einer starken Zunahme von Jetflügen, was die Umweltbelastung und das Risiko schwerer Unfälle durch Kollisionen mit Vögeln weiter verschärft. Trotz des möglichen Anstiegs würden Jetflüge lediglich 1 % der potenziellen Flugbewegungen des Flugplatzes ausmachen – ein zwar äußerst marginaler, aber in seinen Auswirkungen verheerender Betriebszweig. Aus diesen Gründen fordern die Verbände ein Verbot von Jetflügen in Locarno-Magadino. Dies ist die unverzichtbare Voraussetzung, um über die verbleibenden 99 % des Flugplatzbetriebs zu diskutieren, der zwar nicht frei von problematischen Aspekten ist, bei denen jedoch auf der Grundlage einer seriösen Analyse der verursachten Umweltauswirkungen und der Festlegung von Minderungsmaßnahmen, die in die Betriebsordnung aufzunehmen sind, Lösungen gefunden werden können.

21.08.2018, 07:15 Uhr – Die von den Mitarbeitern des Flugplatzes abgefeuerten Knallkörper verscheuchen die größte jemals im Tessin registrierte Gruppe von Weißstörchen – eine Gruppe von 324 Exemplaren (Foto: M. Spinelli).
Pressemitteilung der Stiftung Bolle di Magadino vom 22. August 2018
Im Laufe des Dienstags machte ein Schwarm durchziehender Weißstörche auf dem Magadino-Ebene Rast.
Da sie natürlich vom Naturschutzgebiet „Bolle di Magadino“ angezogen wurden, das reich an Beute ist, haben sie sich auf den Wiesen des Flugplatzes Locarno-Magadino niedergelassen.
In diesem Bereich sind sie nicht erwünscht und wurden von den Mitarbeitern des Flugplatzes durch gezielt abgefeuerte Knallkörper vertrieben (dies wird als „Birdcontrol“-Maßnahmen bezeichnet), wie von mehreren Zeugen bestätigt wurde.
Tatsächlich stellen Störche und andere Vogelarten ein konkretes Risiko für Piloten dar (der sogenannte „Birdstrike“). Die internationalen Richtlinien zur Flugsicherheit legen eindeutig fest, dass der Bau von Flughäfen in der Nähe von für Vögel attraktiven Gebieten vermieden werden muss. Die Start- und Landebahnen von Locarno-Magadino befinden sich mitten in einem Schutzgebiet…
Das größte Risiko besteht für kleine Jets (in Magadino scheint es derzeit noch einen zu geben, doch es könnten weitere landen). Glücklicherweise sind bislang keine schweren Unfälle aufgetreten, doch sollte dies geschehen, steht bereits fest, dass die Flughafenbehörden die Maßnahmen zur Vogelabwehr verschärfen müssen.
Der Wissenschaftliche Ausschuss der Stiftung Bolle di Magadino weist seit Jahren auf dieses Problem des Zusammenlebens hin, da er über die möglichen Folgen für das Schutzgebiet sehr besorgt ist. Leider wurde das Problem von den Verantwortlichen stets heruntergespielt.
Im Jahr 2016 sah sich die Wissenschaftliche Kommission veranlasst, zwei internationale Sachverständige um ein Gutachten zu bitten, die die Gefährlichkeit des Flugplatzes Locarno-Magadino hinsichtlich des potenziellen Risikos von Vogelschlägen bestätigten.
Seitdem haben die Verantwortlichen des Flugplatzes angesichts der offensichtlichen Tatsachen begonnen, die Vögel aktiv von den Start- und Landebahnen zu vertreiben, ohne Genehmigung und ohne Abstimmung mit den Experten von „Le Bolle“.
Auf konkrete Anfragen der Stiftung und der Schweizer Naturschutzverbände bezüglich Genehmigungs- und Koordinierungsverfahren wurde nie eingehend eingegangen.