Die zehn Gebote für den guten Vogelbeobachter
1. Wenn wir vor Ort sind, um Vögel zu beobachten, zu untersuchen und zu fotografieren, muss das Wohlergehen der Vögel stets unser oberstes Anliegen sein.
2. Die Beobachtungen sollten aus sicherer Entfernung erfolgen, um die Vögel nicht zu stören und auch anderen Interessierten die Möglichkeit zu geben, sie zu beobachten.
Das Leben der Vögel ist ohnehin schon kompliziert genug, als dass man ihm noch weitere Schwierigkeiten hinzufügen müsste – insbesondere, um den Leidenschaften von Vogelbeobachtern und Naturfotografen gerecht zu werden. Verwenden Sie keine aufgezeichneten Vogelstimmen!
3. Halten Sie Abstand zu den Nestern.
Viele Arten, beispielsweise Raubvögel, werden bereits alarmiert, wenn sich der Beobachter noch VIELE hundert Meter vom Nest entfernt befindet. In solchen Fällen empfiehlt sich die Verwendung eines Spektivs oder das Digiscoping.
4. Unsere Präsenz in der Umgebung muss unauffällig sein.
Verhaltensweisen, die Vögel stören oder beunruhigen (lautes Sprechen, Klingeln von Mobiltelefonen usw.), sollten daher vermieden werden. Beim Verlassen einer Beobachtungshütte müssen die Fensterklappen geschlossen werden, auch wenn diese offen vorgefunden wurden.
5. Bleiben Sie auf den Wegen und treten Sie nicht auf die Vegetation, um diese nicht zu beschädigen.
Hinterlassen Sie keine Spuren, die Raubtieren zugutekommen könnten. Die von den zuständigen Behörden erlassenen Empfehlungen und Verbote (beispielsweise zum Schutz von Arten, die an Flussufern nisten) sind zu beachten.
6. Respektieren Sie das Privateigentum.
Dieser Grundsatz gilt generell auch dann, wenn keine Zäune vorhanden sind. Betreten Sie keine Mähwiesen oder Ackerflächen. Es ist wichtig, dass die Landwirte, deren Mitwirkung für den Naturschutz von großer Bedeutung ist, ein positives Bild von uns Ornithologen haben.
7. Sich aktiv an der Datenerhebung beteiligen.
Die der Wissenschaft und dem Naturschutz zur Verfügung gestellten Beobachtungsdaten können das Gebiet, in dem Sie leben, bereichern.
8. Vermeiden Sie es, die Standorte der Fortpflanzungsgebiete seltener und bedrohter Arten preiszugeben.
Dies ist ein Aspekt von größter Bedeutung. Ein Foto oder eine einmalige Beobachtung sind den Verlust eines Bruts nicht wert! Viele Standorte stehen bereits jetzt unter Druck, und die wachsende Zahl von Naturliebhabern könnte bald sehr negative Auswirkungen haben.
9. Das korrekte Verhalten des Beobachters, des Forschers, des Fachmanns und des Fotografen muss eine lehrreiche Wirkung auf diejenigen haben, die die Regeln nicht kennen.
Die Natur kann und muss auch für diejenigen zu einem Wert werden, die sie nicht beachten und nicht schätzen. Neugierde könnte der Schlüssel sein, um den Wissensdrang zu wecken.
10. Setzen Sie sich für den Vogelschutz und den Naturschutz im Allgemeinen ein, beispielsweise durch eine Mitgliedschaft in einem lokalen Naturschutzverband wie Ficedula oder BirdLife Schweiz.
Wir brauchen sie. Das bloße Streben nach Bildmaterial und Seltenheit trägt nicht zum Artenschutz bei.