Pressemitteilung von Ficedula vom 4. Dezember 2020
Willkommen zurück, Gipeto!
Ficedula, der Verein zur Erforschung und zum Schutz der Vögel der italienischen Schweiz, gibt bekannt, dass der Bartgeier, der größte Geier der Alpen mit einer Flügelspannweite von drei Metern, nach über 150 Jahren wieder im Tessin nistet.
Aufgrund langjähriger Verfolgung war der Bartgeier vollständig aus den Alpen verschwunden. Im Tessin wurde das letzte Exemplar, ein junges Weibchen, 1869 mit einer Schlinge gefangen und getötet. Dank eines bedeutenden Wiederansiedlungsprojekts, das in den 1980er Jahren ins Leben gerufen wurde, nistet dieser prächtige Geier seit etwa zwanzig Jahren wieder in den Alpen.
Seit 2017 koordiniert Ficedula im Tessin die jährliche Zählung des Alpengipfelschnäppers, die im Oktober in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Gipeto im gesamten Alpenraum zeitgleich durchgeführt wird. In den vergangenen Jahren haben sich über 100 Helfer aus dem gesamten Sopraceneri an dieser Aktion beteiligt. Wie dank der guten Teamarbeit erwartet, wurde Anfang Oktober endlich das erste Nest auf Tessiner Boden entdeckt! Das Bartgeierpaar hat den Nestbau abgeschlossen; das Nest befindet sich an einer unzugänglichen Stelle, geschützt vor dem Schnee.
Das Innere des Nestes ist vollständig mit Schafwolle ausgekleidet; der Bartgeier wurde tatsächlich auch als „Lammgeier“ bezeichnet, gerade wegen seiner Gewohnheit, die Wolle toter Schafe zu sammeln, um damit sein Nest auszukleiden. Der Bartgeier ist in Wirklichkeit kein Raubtier, sondern ernährt sich ausschließlich von Knochen; den Landwirten ist also keine Gefahr zu befürchten!
Die Eiablage erfolgt häufig zeitgleich mit dem ersten nennenswerten Schneefall. Wir hoffen daher, dass der Schnee, der derzeit reichlich im Tessin fällt, dem ersten festen Paar der Tessiner Bartgeier Glück bringen möge.
Nun gilt es, geduldig abzuwarten, und wenn alles gut geht, wird der „kleine“ Gipeto im späten Frühjahr 2021 ausfliegen.
Ficedula bedankt sich bei allen, die an den Zählungen des Gipeto teilnehmen, und lädt alle Bürger ein, ihre Winterbeobachtungen per E-Mail an segreteria.ficedula@
Aus Gründen des Datenschutzes werden keine weiteren Informationen bekannt gegeben.