Ein Projekt, das dem größten Geier der Alpen gewidmet ist

Das Gipeto-Projekt
Die Zusammenarbeit zwischen Ficedula und Gipeto begann vor dreißig Jahren mit dem Start des Inventars der Brutvögel im Tessin. Hauptziel dieser Untersuchung war es, die Wissenslücken des ersten Atlas der Brutvögel der Schweiz, der 1980 veröffentlicht wurde, zu schließen. Dies bot damals die Gelegenheit, die Dutzenden von Erfassern, die im Winter für den Vogelatlas des Tessins im Feld tätig gewesen waren, in die Erfassung der Brutvögel einzubeziehen. In diesem Zusammenhang bat die Ficedula 1993 erstmals auch die Tessiner Wanderer, ihre Beobachtungen des Bartgeiers zu melden – und zwar mittels eines Artikels in der Zeitschrift „L’Alpinista ticinese“.
Damals waren die Informationen über diesen Geier noch sehr spärlich. Nach seiner Ausrottung im Alpenbogen gab es nämlich über ein Jahrhundert lang keine Sichtungen mehr. Erst nach dem Start des Wiederansiedlungsprojekts (1986) wurde 1987 das erste Exemplar auf kantonalem Gebiet offiziell identifiziert, und erst 2005 wurde im Blenio-Tal das erste erwachsene Tier gesichtet. Um Informationen zu sammeln, organisierte Ficedula im Laufe der Jahre verschiedene Kurse zur Bestimmung von Taggreifvögeln, Stände an Veranstaltungen in der Leventina, im Blenio-Tal und im Maggia-Tal sowie Vorträge und viele weitere Bildungsaktivitäten. Die bereits in den 1980er Jahren begonnene Bürgerwissenschaft wird zunehmend zu einer Arbeitsmethode des Kantonalverbands: Information und Einbindung der Öffentlichkeit.
Die dem Gipeto gewidmeten Tage fanden jedes Jahr Anfang Oktober statt. Ficedula organisiert sie seit 2017 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Gipeto. Dutzende von Naturliebhabern nahmen daran teil und trugen mit ihren Daten zum Wissen über die Verbreitung in der italienischen Schweiz bei.
Es waren Jahre anspruchsvoller Arbeit in den Bergen, oft bei Kälte, nicht ohne das eine oder andere Missgeschick, mit Tagen voller wunderbarer Entdeckungen und anderen, an denen die ersten Nistversuche scheiterten und die sehr frustrierende Momente mit sich brachten.
Schließlich, nach zwei Jahren erfolgloser Versuche, hat das erste Tessiner Bartgeierpaar am 31. Juli 2023 sein erstes Jungtier ausfliegen lassen. Dieser erste Bartgeier wurde symbolisch „Lepontino“ getauft, um ihn mit den Tessiner Alpen (Lepontinen) in Verbindung zu bringen.
Seitdem verfolgt Ficedula jährlich die Brut dieses Paares, das im Sommer 2025 einen zweiten Gipeto namens „Lepontino II“ ausfliegen ließ.
Wenn Sie einen Bartgeier beobachtet haben, notieren Sie bitte den Ort, das Datum und das Alter des Tieres. Auf diese Weise tragen Sie zum Wissen über diese Art und zu ihrem Schutz in der italienischen Schweiz bei. Besonders wertvoll sind Fotos und/oder Videoaufnahmen, die es ermöglichen, die Besonderheiten des Gefieders sowie die Interaktionen mit anderen großen Tagraubvögeln zu dokumentieren.